Die Ostküste Australiens :)

Sonntag, 13.08.2017

Hallo ihr Lieben 😊

Nun möchten wir euch ein bisschen von der Ostküste berichten…

Im letzten Eintrag haben wir ja vom Kauf unserer Emma, dem Weg von Melbourne nach Sydney und dem ersten größeren technischen Problem mit unserer Emma berichtet. Nachdem das gelöst war, haben wir uns aufgemacht, die Ostküste zu bereisen. Wir sind also in Sydney gestartet und zuerst in den Blue Mountains National Park gefahren. Der liegt etwa eine Stunde östlich von Sydney und heißt so, weil die dort wachsenden Eukalyptus-Bäume ätherische Öle in die Luft abgeben, die nur blaues Licht nicht absorbieren – weshalb stets ein blauer Dunst über der Region liegt. Bei der Anfahrt in die Mountains hatte unsere Emma gut zu schuften, aber sie hat es geschafft und so haben wir 3 Tage im National Park verbracht. Dabei haben wir ein paar Wanderungen unternommen, unsere Initialen in den Sandstein geritzt 😉 und uns die Three Sisters angeschaut, das Wahrzeichen der Region. Wie zu vielen anderen Naturformationen gibt es auch hierzu eine Geschichte der Einheimischen (geklaut aus Wikipedia):

"Eine australische Traumzeitlegende der Aborigines besagt, dass die drei Schwestern Meehni, Wimlah, und Gunnedoo hier mit ihrem Vater, Tyawan, einem Zauberdoktor, lebten. Nahebei wohnte auch der Bunyip, vor dem sie Angst hatten.Eines Tages erschrak Meehni, als sie einen Tausendfüssler erblickte und warf nach diesem einen Stein, der aber über die Klippen rollte. Bunyip wachte auf und war verärgert; als er die Schwestern erblickte, ging er wütend auf sie los. Tyawan nahm seinen Zauberknochen und verwandelte die drei nahe beieinander stehenden Schwestern in drei Felstürme, um sie zu schützen.Der Bunyip wandte sich nun gegen Tyawan, der sich selber in einen Leierschwanz verwandelte und davonflog. Dabei verlor er seinen Zauberknochen, den er auch heute noch sucht; die drei Schwestern warten und hoffen, dass er ihn bald findet..."

Vom Echo Point abwärts (der Ort selbst heißt übrigens Katoomba) an den Three Sisters vorbei führt die sogenannte „Giant Stairway“. Die 900 Stufen, teilweise in den Fels geschlagen und teilweise als Treppen ausgebaut, führen hinab in das Jamison Valley und über eine Wanderung im Valley kann man den Scenic World Complex erreichen, in dem drei Bahnen abfahren: die Gondelbahn Skyway, die in 350m Höhe über die Schlucht schwebt, eine weitere Gondelbahn die ins Tal fährt und die Minenbahn Scenic Railway, die mit einem Winkel von 52 Grad (!!!) ebenfalls das Tal hinauf und hinab fährt. Mit einem Tagesticket kann man alle drei Bahnen beliebig oft nutzen – und das haben wir natürlich gemacht haha :D Besonders die Minenbahn – übrigens die steilste ihrer Art auf der ganzen Welt – hat es uns angetan, jedes Mal eine kleine Achterbahnfahrt 😊

   Blue Mountains Riesen-Baum :D Minen-Achterbahn Scenic Railway Steilste Minenbahn überhaupt In Stein geritzt Kleine Pause Dunst der Eukalyptus-Bäume Kleiner Abenteurer :D mit 5 km/h durch die Berge

In den Blue Mountains war es echt super schön, aber auch noch ziiiiemlich kalt. Also haben wir uns dann auf gemacht Richtung Norden. Über Newcastle haben wir Port Stephens und die Tilligerri Halbinsel erreicht. Port Stephens ist eine Ansammlung von kleineren Buchten, dessen Kern die Nelson Bay ist. Alle Buchten sind super schön, absolut idyllisch mit kleinen Segelschiffchen auf dem Wasser und ruhigen Bays mit tollen Stränden. Da uns unser Reiseführer (übrigens sehr empfehlenswert: Veronika Pavel (Reise Know-How) – australien: osten und zentrum) für diese Gegend Wale, Delfine und Koalas versprochen hat, haben wir uns in Boat Harbour auf die Lauer gelegt. Und tatsächlich! In den 2 Stunden, in denen wir eingemummelt in unserer Emma den Pazifik beobachtet haben, sind um die 20 Wale an uns vorbei geschwommen! Einige hat man nur an ihrer charakteristischen Atmung sehen können, andere haben uns und den anderen wenigen Beobachtern ein richtiges Schauspiel beschert. Sie haben gespielt, sind dabei aus dem Wasser gesprungen und dann wieder ins Wasser geklatscht, haben mit ihren Flippern (seitliche Flossen) gewunken und sind kopfüber abgetaucht, sodass wir ihre Schwanzflossen (Fluken) sehen konnten. Wirklich beeindruckend und einfach wunderschön. Delfine haben wir dort (noch) nicht gesehen. Auf unseren Wanderungen mit dem Kopf im Nacken um wildlebende Koalas zu sehen, wurden wir leider nicht belohnt. Aber man kann ja nicht alles haben 😉 Bilder von den Walen konnten wir leider mangels guter Kamera nicht machen, aber das war unser Ausguck:

 

Und dann habe ich jemanden wiedergetroffen, den, bzw. die ich seit fast 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Laura Ganske, eine Schulfreundin die mit ihrer Begleitung einen 2monatigen Trip nach Down Under unternimmt. Etwas verabredet haben wir uns dann auf der Tilligerri Halbinsel getroffen und sind von da an ein paar Tage zusammen weitergereist. Dabei sind wir unter anderem auf Mount Tomaree gewandert und dort wurde uns ein einzigartiges Naturschauspiel geboten. Das heraufziehende Gewitter im Sonnenuntergang bei dieser eh schon geilen Aussicht war einfach atemberaubend:

   

Das Gewitter hat uns natürlich dann auch erwischt und bis aufs Höschen nass kamen wir wieder bei den Autos an. Das Gewitter brachte eine unglaubliche Regenfront mit sich, und so haben wir in den nächsten Tagen eigentlich nur versucht, dem Wetter davonzufahren. Nach einem kurzen Abstecher in den Dorrigo Nationalpark mit einer kurzen, aber nassen Wanderung durch den Regenwald (hat seinem Namen wirklich alle Ehre gemacht) mit einem Skywalk OHNE Ausblick haben wir auch den an sich wunderschönen Ort Byron Bay schnell abgehakt (wer will schon bei strömendem Regen auf einen kostenpflichtigen Leuchtturm kraxeln, um dann doch nichts zu sehen) und sind weiter gefahren zur Gold Coast.

Laura, Weza und Paul:

In diesem Ort hatten Laura und Weza für 3 Nächte ein Apartment gemietet (mit 4 Betten :D ) und so konnten auch wir im Apartment und Emma in der Garage Unterschlupf finden. Als wir die Gold Coast 3 Tage später mit frisch gewaschener Wäsche aber immer noch im Regen wieder verließen, haben wir uns auf gemacht nach Brisbane. Da Laura und Weza einen recht engen Zeitplan hatten, haben sich unsere Wege dort wieder getrennt. Anbei noch ein Foto von unserem lässigen Nachbarn in Gold Coast:

Zu Brisbane selbst gibt es auch nicht soo viel zu erzählen. Zwar nicht so groß wie Sydney und Melbourne hat die Stadt dennoch einen sehr ähnlichen Lifestyle, der öffentliche Nahverkehr wird fast ausschließlich über Busse abgewickelt (die natürlich des Öfteren im Berufsverkehr feststecken) und die Innenstadt ist absolut übersichtlich. Auf der Suche nach einem Job (irgendwann wird doch die Kohle knapp) sind wir einfach mal in eine Job-Agentur reinspaziert… und wurden dort trotz unseres Backpacker-Styles zwischen all den Anzugträgern wirklich nett behandelt :D Einen Job konnte man uns dort zwar nicht vermitteln (wir suchen ja eher was für den Norden), aber die Situationskomik war es schon wert.

 

Auf der Suche nach der im Reiseführer abgebildeten gläsernen Kuppel im botanischen Garten haben wir uns ZWEI botanische Gärten angesehen, denn hier war der Reiseführer leider mal ungenau. Macht nichts, im zweiten botanischen Garten haben wir dafür neben vielerlei Pflanzen beim Beobachten einer großen Echse einen Aussie getroffen, der fließend und akzentfrei Deutsch sprach. Sowas ist uns hier unten schon öfters passiert, man merkt eben, dass der australische Kontinent von Einwanderern besiedelt wurde.

Und ihr seht richtig: Bevor wir Brisbane wieder verlassen haben, habe ich, Nadja, mir noch den kürzesten Haarschnitt zugelegt, den ich wohl jemals hatte 😉 aber immer noch schulterlang…

Nach Brisbane haben wir einen kurzen Halt auf Bribie Island gemacht, einer Insel, die man über eine Brücke mit dem Auto erreichen kann. Da nun die National Parks meist nur noch mit Allrad-Wagen zu erreichen bzw. befahrbar sind, haben wir diese vorerst von unserer Liste gestrichen. Unsere Emma wiegt gute 2 Tonnen und hat nur einen vergleichsweise kleinen Motor – wirklich nicht besonders geländegängig. Dennoch haben wir den gut erschlossenen Glass House Mountains National Park besucht und dort eine Wanderung auf einen der Berge unternommen. Dieser Park besteht aus 16 isoliert stehenden Felszacken, die schon von Weitem sichtbar sind.

Anschließend sind wir die Sunshine Coast entlang gefahren in die wirklich schönen Orte von Noosa. Wie auch in Byron Bay ist hier die Surferszene besonders ausgeprägt – und so wurde das Verlangen immer stärker, es doch selbst mal zu probieren. In Noosa selbst haben wir noch einmal einen Coastal Track im National Park unternommen, aber wieder leider keine Koalas gesehen.

Gezielte Rodung zur Naturerhaltung

Dafür haben wir einen halben Strandtag eingelegt und am Parkplatz haben wir dann unseren ersten Waran gesehen. Wirklich faszinierend und ein wenig erschrocken habe ich mich auch, wie er da so direkt an unserem Auto aufgetaucht ist :D In Noosa haben wir uns dann noch jeweils ein Schnorchelset gekauft – denn die Wetsuits waren beim Autokauf schon dabei 😊 ausprobieren wollten wir sie am nächsten Tag, denn: in dem kleinen Örtchen Tin Can Bay kann man morgens, ab 7 Uhr, Delfine hautnah beobachten. Dort gibt es ein kleines Café, dem es erlaubt ist, die wilden Delfine zu füttern. So kommt seit Generationen jeden Morgen um 7 eine vierköpige Delfin-Familie direkt ins knietiefe Wasser geschwommen, um sich um 8 Uhr ihr Frühstück abzuholen. Für 5$ Eintritt kann man sich zu den Delfinen ins Wasser stellen, Fotos machen und sich informieren lassen. Für weitere 5$ darf man ab 8 Uhr jeweils einen Fisch an einen Delfin verfüttern, ein unvergessliches Erlebnis. Anfassen darf man die Tiere nicht, da es immer noch wilde Delfine sind, die zwar recht zahm sind, doch macht ihnen ganz natürlich eine Hand über ihrem Körper Angst.

Wunderschöner Sonnenuntergang in Tin Can Bay

Nach diesem wunderschönen (und echt günstigem!!) Erlebnis haben wir in dem Café noch einen Kaffee und einen Kakao getrunken und sind nach Rainbow Beach aufgebrochen. Dort wollten wir uns nach Ausflügen zu Fraser Island erkundigen, doch wurden wir dort nicht fündig und sind stattdessen weiter gefahren nach Hervey Bay. Dort haben wir im offiziellen Info-Center unsere Tour nach Fraser Island gebucht, der größten Sandinsel weltweit. Als Veranstalter hatten wir aufgrund des guten Angebots und guter Berichte Fraser Explorer Tours ausgesucht. Für ca. 270 Euro pro Nase haben wir einen 2-Tages-Trip auf die Insel gebucht. Da es auf der Insel keine befestigten Straßen gibt, sind dort nur Allrad-Fahrzeuge zugelassen. Wer einen eigenen Allrad-Wagen besitzt, kann mit der Fähre mit dem eigenen Auto auf die Insel übersetzen, und diese auf eigene Faust erkunden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen 4WD (4-Wheel-Drive) zu mieten und die Insel zum Beispiel mit einem Fahrerguide zu erkunden. Da man dabei jedoch mitunter sein Leben in die Hände eines anderen, unbekannten und unerfahrenen Fahrers legt, wollten wir doch lieber in einem Allrad-Bus mit erfahrenem Fahrer und Guide mitfahren. Im Preis inbegriffen war eine Übernachtung im Eurong Beach Resort („Hotel“), ein Frühstück, 2 Mittagessen, ein Abendbrot, sowie jegliche Transfers. Wir hatten uns (zum ersten Mal überhaupt) für 15$ die Nacht mit unserer Emma auf einem Campingplatz eingemietet, da wir die Emma nicht einfach unbewacht irgendwo parken wollten während unserer Abwesenheit (in Australien werden viele Autos aufgebrochen und geklaut). So wurden wir morgens vom Bus am Campingpatz eingesammelt und zur Fähre gebracht. Auf der Insel angekommen mussten wir uns alle in dem Allrad- „German Bus – they build the best“ anschnallen und ab ging die wilde Luzie über die Sandpisten der Insel. Unser Guide war ein wirklich redefreudiger, lustiger Kerl im besten Alter, der den Bus sicher über die Insel steuerte. Unser erster Stop war Lake McKenzie, der bekannteste und wohl schönste (Süßwasser!!)-See der Insel. Mit kristallklarem (aber kaltem) Wasser und einem weißen Strand absolut paradiesisch.

Mein Baywatch :D

Weiter ging die Fahrt zur informativen Central Station und einer kleinen Wanderung durch den Regenwald.

Zum Mittag kamen wir das erste Mal im Beach Resort an und es gab ein tolles, warmes und reichhaltiges Buffet für die hungrigen Krieger. Anschließend ging es weiter zum Lake Wabby. Um diesen zu erreichen musste man zuerst eine immense Düne bewältigen 😉.

Die Fahrt zurück zum Resort erfolgte wieder über den Strand, nun bei Flut.

Unser erfahrener Busfahrer meisterte auch dies, wenngleich das Busunternehmen schon 3 Busse an den Ozean verloren hatte… Im Resort wartete wiederum ein reichhaltiges Abendbuffet auf uns und danach fielen wir recht schnell ziemlich ko in die Betten – nachdem wir uns erstmal von dem ganzen Sand via Dusche befreit hatten. Am nächsten Tag (nach tollem Frühstücksbuffet) ging es weiter am Strand entlang zum Schiffswrack der „Maheno“, das 1935 auf der Insel gestrandet war (ganz friedlich, einfach nur auf den Sand aufgelaufen).

Weiter ging die Fahrt nordwärts zu den Champagne Pools – Becken gefüllt mit Meerwasser, die so heißen, weil die hereinbrechenden Wellen aussehen wie Champagner.

Nach einem kurzen Lookout am Indian Head gab es ein Sandwich-Mittagessen am Strand, mit Trinkpäckchen und Obst sowie Müsliriegeln und Cookies als Nachtisch.

Auf dem Weg zurück zur Fähre war unser letzter Halt der Eli Creek, der ins Meer mündet, und den man durchwaten kann. Absolut paradiesisch.

Wieder im Bus hatten wir dann noch das Glück – neben einer Phyton am Vortag – 2 Dingos zu sehen. Diese wildlebenden Hunde sehen tatsächlich nur aus wie größere Hunde, doch wird überall auf der Insel ausdrücklich vor diesen gewarnt. Die Resorts sind in aller Regel von Dingo-Zäunen umgeben und wer das Resort auf eigene Faust zu Fuß verlässt, sollte einen „Dingo-Stick“ mitnehmen. Die wilden Hunde sind futtergeil und gelten als aggressiv. Im Jahre 2001 ist ein Kind durch einen Dingo-Angriff getötet worden und um zuerst die Menschen und darüber auch die Dingos zu schützen, werden auf der Insel solche Maßnahmen getroffen. Wir konnten nun die berüchtigten Dingos aus größter Nähe vom sicheren Bus aus sehen – und hatten damit wohl ein seltenes Glück.

Zurück auf der Fähre konnten wir dann noch einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen und wurden anschließend wieder am Campingplatz bei unserer treuen Emma abgesetzt.

In den nächsten Tagen sind wir weiter die Ostküste raufgefahren. Vorbei an Bundaberg (die Brennerei, in der der berühmte Rum hergestellt wird, wollten wir uns nicht ansehen, sowas kann man ja auch zuhause machen) ging es strikt weiter nach Agnes Water. Ein verschlafenes kleines Nest – mit einer Surfschule!! Für 17$ kann man dort drei Stunden Surfschule machen, inklusive der Ausrüstung in Form von Board und Shirt. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Um 10 Uhr morgens (wie jeden Tag) fanden sich fast nur Deutsche (wie sollte es anders sein) vor der Surfschule „Reef 2 Beach Surf School“ ein. Nach dem üblichen Formblatt („ja, ich kann 50 m weit schwimmen“ und „ja, natürlich kann das alles zu schlimmen Verletzungen oder gar dem Tod führen“) erkundigte sich unser Surflehrer noch nach früheren Verletzungen bevor er uns alle zum Schuppen mit den Boards am Strand schickte. Unser Surflehrer, grau-blondes langes Haar, kleiner Bauch und braun gebrannt, bestimmt in den Mitt-Fünfzigern war ein lustiges Kerlchen mit lautem Organ. Sein singendes „guuuuuys“, das er wirklich unglaublich oft benutzte, war stets überall hin zu hören. Etwas enttäuscht – hatten wir Mädels doch irgendwie etwas anderes erwartet – wurde uns dann doch noch ein knackiger Surflehrer in den Mitt-Zwanzigern vorgestellt, der auch auf den Kopf stehend surfen konnte. Kein Witz!! Nach der Einweisung auf den speziellen Anfänger-Boards (Preis bei 900$) wo vorne und wo hinten ist, was man machen sollte und was man tunlichst NICHT machen sollte, ging es erstmal nicht aufs Wasser. Zuerst mussten alle ihre Paddel-Fähigkeiten auf Sand unter Beweis stellen. Nachdem die ersten Trocken-Sprünge aufs Board geglückt waren ging es ab aufs Wasser. Ich mit meinem Glück natürlich gleich als Zweite („Guuuuuys, die Jungs nach hinten“) war ich doch direkt etwas überfordert, wie ich da paddelnd auf dem Board lag und zack die erste Welle über mir hereinbrach. Eine gehörige Portion Salzwasser geschluckt und gleich wieder hinten anstellen. Matze der kleine Streber stand natürlich gleich die erste Welle – was hat man auch anderes erwartet. Zu mir sagte der Fotograf dann später noch: er wusste nie genau wann er abdrücken sollte, man konnte nie wissen ob ich es schaffe oder nicht… Also ein Talent bin ich wohl nicht. Das bezeugten auch meine aufgeschürften Knie (hatte wohl versucht auf den Knien zu stehen), meine Schürfwunde am Hintern (auf nem Stein gebremst) und mein dicker rechter Zeh – auch ein Stein schuld. Trotz bösen Muskelkaters war es wirklich lustig. Mit verstreichender Zeit wurden die Wellen größer – und gegen 14 Uhr war die Surfschule beendet. Nachdem die Boards abgespritzt, die Menschen geduscht und gefüttert waren war auch dieser Tag schnell vorbei – bis ich es schaffte, mir den letzten verbliebenen unbeschadeten dicken Zeh gleich ZWEIMAL an einem Stein zu remmeln. Bis das Blut spritzte. Nein, so schlimm war es nicht, aber es hat schon gesuppt. Die nächsten Tage waren damit ziemlich gelaufen für mich. Matze hat sich am nächsten Tag gleich nochmal ein Board ausgeliehen, um sich weiter auf den Wellen auszuprobieren. Das geliehene Board war zwar immernoch ein Anfänger-Board, aber doch deutlich schwieriger zu surfen. Ich hab währenddessen am Strand etwas Sonne gebadet. Und da ich vergessen hatte, meine Füße einzucremen, gab es da erstmal einen Sonnenbrand. Autsch. Später sind wir dann beide nochmal gesurft, und es klappte immer besser:

In der Summe etwas invalide wollten wir am nächsten Tag weiterfahren. Die Nacht haben wir mit unserer Emma an einer öffentlichen Toilette auf einem bewaldeten Stück Wiese an einer Landstraße verbracht. Nachts um 4 wurden wir durch komische Geräusche geweckt. Ein Kratzen, Klopfen, Schaben, Stimmen und ein Geräusch das sich so anhörte, als würde jemand Heringe in den Boden schlagen. Irritiert wie wir waren rechneten wir mit einem Ranger, der jeden Moment an unser Auto klopfen und uns des Platzes verweisen würde. Im Auto schlafen bzw. campen auf nicht dafür ausgewiesenen Stellen ist in Australien immernoch strafbar und so gar nicht günstig. Mucksmäuschen still lagen wir in unserer Emma. Doch es klopfte keiner. Nach etwa 30 Minuten beschlossen wir einfach weiterzuschlafen. Mit Tagesanbruch wurden wir gegen halb 7 wieder von Geräuschen wach und öffneten unsere Wagentür. Wir befanden uns mitten, wirklich MITTEN auf einem Markt! Um uns herum wurde Obst und Gemüse, Blumen und Textilien und allerhand anderes Zeugs preisgeboten. Und wir standen, total verpennt und völlig irritiert, mittendrin. Da keiner Notiz von uns nahm, schlichen wir uns ins Fahrerhäuschen unserer Emma, starteten den Motor und „schlichen“ uns ganz unauffällig in dem regen Treiben mit unserer Emma davon. Ein Glück ist sie nicht so breit und wir waren nicht so eng zugeparkt. Nach einem Frühstück mit super Ausblick (nein, nicht mehr in der Nähe des Marktes 😉 ) sind wir dann weiter gefahren. In großen Schritten (oder winzig kleinen, der dicke Zeh war ja kaputt) sind wir über Gladstone nach Rockhampton und Mackay gefahren, dann weiter über Airlie Beach nach Bowen. Für Bowen versprach mein Reiseführer im Winter zur Mango- und Tomatenernte Unmengen an Jobs. Wir sollten eines besseren belehrt werden. In Bowen warteten pro Hostel ca. 20 Backpacker auf Listen auf ihre Jobs als Obstpflücker. Doch der Zyklon „Debbie“, der vor ca. 2 Monaten über Neuseeland und Australien gewütet hat, hat einen Großteil der Ernten zerstört, womit auch die Jobs fehlen. Mit dieser Nachricht wollten wir weiter gen Norden ziehen. Am nächsten Tag wartete jedoch der erste kleine Job auf uns: wir konnten als Möbelpacker in 3 Stunden zu zweit 150$ verdienen! Jippie! 😊 Das Haus, das wir ausgeräumt hatten, wurde ebenfalls von Debbie unbewohnbar gemacht. Die hohen Windgeschwindigkeiten hatten Wasser in die Substanz gedrückt (die Häuser hier bestehen mehr oder weniger aus Gipsplatten/Holz). Da dieses große Haus mit unbeschreiblich schönem Meerblick „nur“ das Ferienhaus der Familie und obendrein gut versichert war, stellte die Sache für die Familie kein größeres Problem dar. Mit der ersten selbst verdienten Kohle in der Tasche machten wir uns auf in Richtung Townsville.

17 km vor Townsville besuchten wir allerdings noch die Billabong Sanctuary:

Baby-Krokodil :D Blauzungen-Tier groooßes krokodil lieber Dingo ;) Känguru-Selfie, ein Muss!

In Townsville selbst trafen wir Björn wieder, den wir, zusammen mit seiner Schwester Dörte und deren Freund Felix, auf Fraser Island kennengelernt hatten. Er ist Post-Doc und forscht als Meeresbiologe dort an der Uni. Die Bibo der Uni nutzen wir, um weiter nach Jobs zu suchen (kleine Anmerkung: Studenten können das Eduroam- Netzwerk weltweit nutzen 😉 ) und dank Björns riesiger Gastfreundschaft konnten wir mit Emma vor seinem Haus parken und die Facilities nutzen.

Jobsuche

Etwas panisch wegen der Jobsuche und in Anbetracht des eher schlechten Wetters entschieden wir uns jedoch bald, weiter nach Cairns zu fahren und die Insel „Magnetic Island“ auf dem Rückweg zu besuchen. Björn der Gute wollte uns sogar noch futter-mäßig für unsere Weiterfahrt eindecken – doch wir waren schon mehr als happy unsere Wasserkanister bei ihm wieder auffüllen zu können. Die meisten kostenfreien Camping-Spots bieten nur Trinkwasserspender (da bekommt man keinen Kanister drunter :D ) oder „Nicht trinkbares“ Wasser an, das also vorher abgekocht werden muss. Und so kaufen wir meistens einen 10L Trinkwasserkanister im Aldi… Aldi, ja genau. In Australien gibt es tatsächlich den deutschen Aldi (Süd)! Zu anfangs irritiert ist er nun unser Stamm-Supermarkt geworden. Neben vergleichsweise günstig(er)en Lebensmitteln kann man hier nämlich auch Bockwürstchen und Marzipanschokolade erstehen! Und es schmeckt tatsächlich wie zuhause. Nur deutsches Brot gibt es auch hier nicht… Sowieso ist es nicht einfach, in einem Camper zu leben. In unserer Emma befindet sich (zurzeit) nur ein Holzbett und etwas Stauraum in Kisten. Das heißt kein Kühlschrank, keine Steckdosen. Unsere Handys können wir während der Fahrt aufladen, für den Laptop müssen wir immer irgendwo etwas Strom mopsen. Ohne Kühlschrank kann man nur kaufen, was man in den nächsten zwei Tagen auch verkochen kann, alles andere vergammelt zu schnell. Da wir unserer Emma einen Ofen mit 2 Gasplatten gekauft haben, können wir ein bisschen parallel kochen. Durch die horrenden Lebensmittelpreise essen wir jedoch recht oft Nudeln (mit Tomatensoße, Carbonara, Tomaten- oder Basilikumpesto oder „Asia noodles“, …) sowie Curry (Reis mit ner Dose Kokos-Milch und wahlweise Gemüse oder Hähnchen) oder Kartoffelbrei mit Gemüse. Als Gemüse ist das tiefgefrorene und gemischte, schon geschnittene Zeugs am Besten – wirklich frisch kochen kostet einiges und mit den Mengen in einem Camper ohne Kühlung kann man dann eigentlich auch nur daneben liegen. Fleisch ist besonders teuer und gibt es daher eher selten. Duschen kann man in öffentlichen Duschen. Kosten in der Regel zwischen 0$ – 5$ und findet man an Truck Stops, sowie Tankstellen, Schwimmbädern, Fitnessstudios und am Strand. Die am Strand sind in der Regel kostenfrei und eiiiiisekalt, aber meistens sollte man keine Seifen benutzen und sie sind schon seeehr … öffentlich. Hin und wieder gibt es aber auch warme und kostenfreie Duschen. Toiletten gibt es immer genug – allerdings sind die Unterschiede hier auch unglaublich groß. Ganz toll… (nicht) … sind da natürlich die sogenannten „trockenen Toiletten“, Plumsklos, in den sich nicht nur der Geruch stapelt… Aber was muss, das muss schonmal. Insgesamt sind die öffentlichen Facilities in Australien aber recht gut, meistens auch recht sauber. In den Städten gibt es für jedermann zugänglich Trinkwasserspender und in den nördlichen Städten sogar öffentliche und kostenfreie Pools, mit Süß- oder Salzwasser. So z.B. auch in Cairns, das wir wenig später erreichten. Die Stadt hat eine angenehme Größe, tolerante Mitarbeiter des Ordnungsamtes („ihr dürft hier nicht mit der Gasflasche kochen, die Kamera hat euch erfasst und deshalb musste ich herkommen“ – „oh Entschuldigung, das wussten wir nicht, da ist gar kein Schild“ –„ ja kein Problem, parkt einfach andersrum und kocht so, dass euch die Kamera nicht aufnimmt“) und ist auch sonst ganz ansehnlich. Abends herrscht reges Treiben an der Esplanade, es gibt Märkte, einen öffentlichen tollen Pool, öffentliche Fitness-Studios unter freiem Himmel und wie in jeder anderen Stadt auch, kostenfreie BBQ´s (Grill´s). Insgesamt wird offensichtlich viel für die Bevölkerung getan, allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass es in Australien kein Sozial- oder Gesundheitswesen gibt, wie wir es in Deutschland haben. Als Backpacker profitiert man jedoch sehr von den öffentlichen Einrichtungen.

In Cairns gingen wir dann weiter auf Jobsuche. Gar nicht so leicht wie sich herausstellte, denn die Agenturen nahmen entweder gar keine Backpacker an oder hatten keine Jobs. Unsere sehr aufwändige Bewerbung bei McDonalds ergab auch nichts, denn als Mittzwanziger sind wir zu teuer für das Unternehmen, sie stellen lieber die 16jährigen ein, die kaum etwas verdienen dafür. So durchforsteten wir weiter den örtlichen Stellenmarkt, schrieben Anzeigen auf Facebook und Firmen an, verteilten unsere Lebensläufe und warteten dann auf Antwort…

… und die Antwort ließ nicht lange auf sich warten – aber davon berichten wir euch ein andermal. Dieser Eintrag ist schließlich schon wieder viel zu lang :D Jetzt nur noch schnell von dem geilsten Erlebnis berichtet, das wir wohl je hatten: der Ausflug zum Great Barrier Reef. Da sich sowas überhaupt gar nicht in Worte fassen lässt, hier einfach die Bilder:

  eine Seegurke :D